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JURIDICA INTERNATIONAL. LAW REVIEW.
UNIVERSITY OF TARTU (1632)

Soziale Werte in der soziologischen und kriminologischen Forschung: Überlegungen zum Begriff und Operationalisierung

Olga Siegmunt
pp. 22-31[PDF]

Numerous theoretical approaches include social values as a social unit. In general, the social values are defined as guidelines; they are personal and internal; and they hold together the social groups. Overall, the social values are distinguished from value‑orientations, social norms, and attitudes. A reasonable-sized body of sociological and criminological studies has analysed the structure and significance of social values for human behaviour. The article explores this corpus, discussing numerous theoretical approaches and studies with reference to a key question: how can one fruitfully operationalise the social values? The theoretical analyses in the article apply institutional anomie theory, which is presented as an example of a criminological theory.


Keywords: social values; individualism; collectivism; institutional anomie theory

1. Einführung

Soziale Werte sind Bestandteil einer Vielzahl von theoretischen Ansätzen. Soziale Werte werden im Allgemeinen als Orientierungsleitlinien definiert, sie sind persönlich und intern, und sie halten die sozialen Gruppen zusammen. Soziale Werte werden von Wertorientierungen, sozialen Normen und Einstellungen unterschieden. Eine Reihe soziologischer und kriminologischer Studien untersuchen die Struktur der sozialen Werte und ihre Bedeutung für abweichendes Verhalten.

Viele theoretische Ansätze und Studien werden in diesem Aufsatz diskutiert. Die Werte und ihre Funktionalität werden unterschiedlich definiert in Abhängigkeit davon, ob sie auf der Makro- oder Mikroebene angesiedelt sind. Neben der Frage der Definition der sozialen Werte wird hier die Antwort auf die zentrale Frage gesucht – wie werden die sozialen Werte operationalisiert? Die Institutionelle Anomietheorie wird hier als Beispiel einer kriminologischen Theorie dargestellt, die beide gesellschaftliche Ebenen verbindet und ein hohes Erklärungspotenzial des menschlichen Handelns den sozialen Werten zumisst.

2. Zum Wertbegriff

In seiner Anomietheorie*1 spricht Durkheim von einem Wertekonzept, das eine doppelte gesellschaftliche Funktion annimmt: Zum Einen regeln die Werte das menschliche Handeln, zum Anderen halten sie die Gesellschaft zusammen bzw. stärken das Kollektivbewusstsein der Gesellschaftsmitglieder.

Max Weber betont die Funktionalität der Werte in der Anleitung des menschlichen Handelns und im Zusammenhalt der Gesellschaft. Zum Wertebereich gehört die Idee der „Nation“, die für gewisse Menschengruppen spezifisch ist und auf dem Solidaritätsempfinden gegenüber anderen Personen ruht. Obwohl das Solidaritätsgefühl innerhalb einer Gesellschaft unterschiedlich intensiv ist, rückt es die Gruppenmitglieder zusammen und macht sie durch spezifisches Verhalten zu einer „Nation“.*2 Ein Übergang von der protestantischen Ethik zum Geist des Kapitalismus sollte nach Weber*3 vor allem durch eine Übernahme von der Leistungsmotivation stattfinden. Eine solche Übernahme von Motiven und Werten sei eine Handlung, ein innerliches Tun. 

Die meisten soziologischen Theorien sind entweder auf der Mikro- oder Makroebene angesiedelt. Talcott Parsons erweiterte die Handlungstheorie zu einer Systemtheorie. Er verband damit beide Ebenen, um kollektive soziale Prozesse ursächlich zu erklären. Parsons entwickelte erstmals auf Basis der Handlungstheorie von Max Weber sein eigenes handlungstheoretisches Konzept, das das Handeln auf der Ebene von Individuen erklären sollte. Der nächste Schritt – bei der Konzipierung einer Systemtheorie – bestand darin, dass das Handeln, vermittelt durch die Situation und über die individuellen Werte und Normen, zu erklären. Auf der Individualebene betrachtete er Werte als Logik der Selektion. Es sollte dabei zwischen Handlungsalternativen und Handlungszielen entschieden werden. Parsons betrachtete die Werte auf der Ebene der Gesellschaft als allgemeingültige Standards und Regeln. Während in späteren Debatten Werte eher als Orientierungsleitlinien verstanden wurden*4, sind die Werte bei Parsons ein Überbegriff.

Während in den theoretischen Konzepten die Werte eine gewisse Funktion haben und an einer bestimmten Stelle im theoretischen Modell angesiedelt sind, geht es in der sozialwissenschaftlichen Werteforschung primär um Dimensionalität und Ausprägung der Werte selbst sowie um den Wertewandel. Um in der weiteren Diskussion die Präzision der Aussagen möglichst hoch zu halten, sollte man solche Begriffe, wie Werte, Wertorientierungen, soziale Normen und Einstellungen von einander abgrenzen.

In der sozialen Werteforschung werden Werte und Wertorientierungen oft als Synonyme benutzt und durch einander ersetzt. Die Forscher haben unterschiedliche Vorstellungen vom Verhältnis zwischen Werten und Einstellungen: Einstellungen werden auf Werten aufgebaut; Werte und Einstellungen nehmen eine wechselseitige Beziehung an; Einstellungen gelten als Korrelate und damit als potentielle Indikatoren für Werte.*5 Nach Thomas und Znaniecki*6 sind Werte und Einstellungen separate Gegenpole und unterscheiden sich in dem Grad der Generalisierung: Während Werte sozial generalisiert sind, sind Einstellungen individualisiert. „By attitude we understand a process of individual consciousness which determines real or possible activity of the individual in the social world. … The attitude is thus the individual counterpart of the social value; activity, in whatever form, is the bond between them”*7.

Es gibt eine Annahme über relative Selbstständigkeit der Werte und ihren Einfluss auf Bildung von Normen, die durch empirische Tests bestärkt wird.*8 Die Werte sind nach Kluckhohn*9 ein Konzept, das für eine Person oder eine Gruppe charakteristisch ist und welches die Entscheidung über Handlungsform, -mittel und -ziele beeinflusst. Rokeach unterscheidet in Bezug auf individuelles Verhalten soziale Normen von Werten je nach dem, wie groß ihr sog. Deckungsfeld ist: Während soziale Normen sich auf das Verhalten in speziellen Situationen beschränken, gehen Werte über diese speziellen Situationen hinaus*10. Denkt man in unterschiedlichen gesellschaftlichen Dimensionen (Mikro-Makro), sind dann soziale Normen „normative“, gesellschaftlich institutionalisierte Werte, während Wertorientierungen „individuelle“ und „persönliche“ Werte sind*11.

Außerdem unterscheidet man Werte und Normen anhand ihrer gesellschaftlichen Funktionen. Soziale Normen sind konkrete Vorschriften. Sie übernehmen im Rahmen einer allgemeinen soziologischen Theorie sogar die Bedeutung von sozialen „Verhaltensregelmäßigkeiten, die in Fällen abweichenden Verhaltens durch negative Sanktionen bekräftigt werden“*12. Soziale Normen dienen somit der Regelung des sozialen Lebens, der individuellen Erkenntnis über Gut und Böse. Da Werte das Wünschenswerte bedeuten, können sie nicht institutionell sanktioniert werden. Die gesellschaftlichen Werte dienen einer individuellen Zielsetzung.

3. Entwicklung der Werteforschung: Einzelne Studien und Konzepte

Es gibt mittlerweile eine Unzahl an Wertstudien, obwohl die Werteforschung keine lange Geschichte hat. Viele Studien untersuchen verschiedene Wertekonzepte, die inzwischen eine breite Palette darstellen. Die Werteforschung findet ihren Anfang durch Clyde Kluckhohn*13 am Anfang der 1950er Jahre und wurde in den 1970er Jahren durch mehrere Sozialforscher intensiviert. Zwei der wichtigsten Kritikpunkte, die sich auf den Stand der Werteforschung bis Anfang der 1990er Jahre richten, wurden in den nachkommenden Studien zum Teil aufgehoben. Zum einen wurde der theorielose Charakter der Werteforschung kritisiert, der eher als Mangel einer „Einordnung des gegenwärtigen Wertewandels in ein übergreifendes gesellschaftstheoretisches Konzept“ beschrieben wurde.*14 Dieser Kritikpunkt trifft spätestens seit Hagan et al.*15 nicht mehr zu. Zum anderen wurden methodische Differenzen bei der Operationalisierung und Erfassung von Werten kritisiert*16, die eine Vergleichbarkeit der Untersuchungsergebnisse unmöglich machen.*17 Es existieren nach wie vor unterschiedliche Varianten zur Erfassung von Werten, eine Vereinheitlichung der Wertekonzepte hat sich bis jetzt noch nicht ergeben. Es lässt sich zugleich eine allgemeine Tendenz in der Entwicklung der Werteforschung beobachten: Ein Übergang von einem streng hierarchischen zu einem mehrdimensionalen Wertemodell.

Milton Rokeach*18 entwickelte einen der ersten empirisch basierten Wertekonzepte. Sein Konzept des Wertesystems beinhaltete zwei Wertdimensionen: instrumentelle (modes of conduct; means-values) und terminelle (end-states of existence; ends-values) Werte. Es gibt einen funktionalen Zusammenhang zwischen den beiden Wertedimensionen. Terminelle Werte sind, im Grunde genommen, „weit entfernte“ Werte oder sogar Ziele, während instrumentelle Werte Mittel zum Erreichen dieser Ziele sind. Zu den terminellen Werten gehören nach Rokeach z.B. komfortables Leben (comfortable life), Gleichheit (equality) und familiäre Sicherheit (family security). Um eigene Ziele zu erreichen, muss man z.B. ambitioniert (ambitious), hilfsbereit (helpful) oder intellektuell (intellectual) sein (instrumentelle Werte). Beide Wertedimensionen werden in zwei theoretische Subdimensionen unterteilt: terminelle – in personelle und soziale Werte; instrumentelle – in moralische Werte und Kompetenzwerte.

Die Werteforschung hat in den 1970er Jahren einen Durchbruch durch die Studien zum gesellschaftlichen Wertewandel von Roland Inglehart*19 erlebt. Eine große Rolle spielte dabei die Tatsache, dass es dem Forscher gelungen ist, ein überschaubares Konzept zu entwickeln. Des Weiteren wurde in einer relativ kurzen Zeit ein großer Datensatz gewonnen, der u. a. internationale Vergleiche ermöglichte.*20

Inglehart formulierte zwei Hypothesen*21. Die Mangelhypothese: Die Prioritäten eines Individuums reflektieren seine sozioökonomische Umwelt. Man schätzt jene Dinge subjektiv am höchsten, die verhältnismäßig knapp sind. Die Sozialisationshypothese: Die Werteprioritäten im Erwachsenenalter hängen von der erlebten sozioökonomischer Umwelt in der Jugend ab. Wäre man in der Situation der finanziellen Not aufgewachsen, würde man später eher materielle Dinge schätzen bzw. materialistische Wertvorstellungen haben. Eine beträchtliche zeitliche Verzögerung spielt hierbei eine Rolle.

Um seine Mangelhypothese zu prüfen, formulierte Inglehart Items zur Messung von Wertprioritäten. Diese Items basieren auf dem Modell der Bedürfnishierarchie von Maslow*22. Dabei wurden nur physische Bedürfnisse (Versorgungs- und Sicherheitsbedürfnisse) sowie soziale Bedürfnisse und Selbstverwirklichung (ästhetisch, intellektuell sowie Zugehörigkeit und Achtung) benutzt. Die physischen Bedürfnisse bilden eine Gruppe der sog. materialistischen Wertpräferenzen. Die sozialen Bedürfnisse und Selbstverwirklichung bilden die Gruppe der postmaterialistischen Wertpräferenzen. Eine Kritik von Klages*23 an das von Inglehart entwickelte Messinstrument bezweifelt seine Angemessenheit zur Messung von Werten. Der Grund zur Auswahl gerade dieser beiden Dimensionen bleibt ungewiss. Die Palette physischer und sozialer Bedürfnisse ist nach Maslow deutlich breiter als in der Darstellung von Inglehart.

Die Werteforschung zielt bei Inglehart im Sinne der Sozialisationshypothese auf Wertewandel in unterschiedlichen Regionen. Der Wertewandel findet dort durch den Austausch der älteren durch jüngere Generationen statt. Da die primäre Sozialisation bei den verschiedenen Generationen unterschiedlich verlief, sollten sich die Generationsvertreter in ihren Wertprioritäten unterscheiden: Die jüngere Generationen sollte eher postmaterialistisch orientiert sein.

Harry Triandis*24 unterscheidet in seinem Konzept des Individualismus-Kollektivismus-Syndrom zwischen zwei Dimensionen des Individualismus und zwei des Kollektivismus: „The horizontal types refer to emphasis on equality and the perception of people having more or less the same self, as is typically found in homogeneous cultures. The vertical types refer to acceptance of inequality. Vertical individualists are competitive and try to be on top of the social structure. Vertical collectivists are willing to sacrifice themselves for the benefit of the collective.” Die Zugehörigkeit zu diesen Dimensionen wird durch zwei Kriterien bestimmt: Zum ersten das individuelle Maß an Individualismus vs. Kollektivismus, und zum zweiten das individuelle Maß an Gleichheit vs. Ungleichheit.

Diese kulturelle Mehrdimensionalität entsteht nach Triandis aus der Natur der Gesellschaften: Die kollektivistischen Gesellschaften sind nicht homogen kollektivistisch und individualistische Gesellschaften sind nicht homogen individualistisch. Man unterscheidet zwischen vier Typen von Kulturen: Horizontale Individualisten streben nach Unabhängigkeit und tun „ihre eigenen Sachen“; vertikale Individualisten tun „ihre eigenen Sachen“ und wollen „die Besten“ sein; horizontale Kollektivisten verschmelzen sich mit der Gruppe und vertikale Kollektivisten unterwerfen sich den Autoritäten der Gruppe und sind bereit, sich selbst für die Interessen der Gruppe zu opfern.*25

Shalom Schwartz entwickelte seit 1980er Jahren die Idee der Theorie des individuellen Wertesystems, die unterstellt, ähnliche Wertstruktur in allen Kulturen zu finden.*26 Schwarz suchte nach einer universellen Wertstruktur. Danach sollten alle Menschen die gleichen Werte haben. Erst die verschieden starken Ausprägungen dieser Werte würden den Unterschied machen. Wichtige Grundannahmen sind: Erstens, die Werte repräsentieren motivationale Ziele (motivational goal); zweitens, die Art der motivationalen Ziele macht eine inhaltliche Trennung der Werte möglich.*27 Die Werte, die ein gemeinsames Ziel repräsentieren, können zu einem Wertetyp zusammengefasst werden. Die folgenden zehn Wertetypen wurden extrahiert: self-direction, stimulation, hedonism, achievement, power, security, conformity, tradition, benevolence und universalism. Die Theorie des individuellen Wertesystems von Schwartz wird seit vielen Jahren im Rahmen des European Social Survey untersucht. Die Studie ist als eine Zeitreihenanalyse mit Zwei-Jahres Abständen angelegt worden und wird in 20 Ländern durchgeführt.

Der von Helmut Klages*28 entwickelte Ansatz ist als Konzept der Wertesynthese bekannt. Klages unterscheidet zwei theoretische Wertedimensionen, die in einer Wertesynthese miteinender verknüpft sind. Das sind zum einen Pflicht- und Akzeptanzwerte und zum anderen Selbstentfaltungswerte, die zweite Dimension besteht aus zwei Subdimensionen– hedonistisch-materialistische (oder hedonistisch-individualistische) und idealistische Selbstentfaltung.*29

Klages entwickelte einen Trend zur Wertesynthese – „einer Vereinigung gegensätzlich erscheinender Werte“.*30 Die Idee einer Wertesynthese beinhaltet ein gemeinsames Auftreten von sog. traditionellen und modernen Werten und nicht deren Abgrenzung voneinander.

Diese Idee bietet die Grundlage für einen Persönlichkeitstypus, der zugleich traditionelle und moderne Werte anerkennt und als „aktiver Realist“ bezeichnet wird. Vier andere Persönlichkeitstypen sind: ordnungsliebende Konventionalisten (traditionelle), perspektivenlose Resignierte, nonkonforme Idealisten und hedonistische Materialisten.

Es hat sich eine Diskussion um die Anwendung des Konzeptes der Wertesynthese gegeben.*31 Zum einen, das Konzeptmodell wurde kritisiert, in Hinsicht darauf, dass die Werte hierarchisch geordnet werden müssen (argumentiert u. a. mit Modellen von Rokeach und Inglehart). Zum anderen, „aktive Realisten“ sollten nicht dem beschriebenen Muster einer Wertesynthese entsprechen. Auf diese Kritik sind Helmut Thome*32 sowie Helmut Klages und Thomas Gensicke*33 ausreichend eingegangen.

Jüri Allik und Anu Realo*34entwickelten das ESTCOL-Konzept (Estonian Three-Dimensional Collectivism Scale). Die Autoren*35 unterscheiden drei Subdimensionen von Kollektivismus, die sich auf drei soziale Bereiche, wie Familie, Peers und Gesellschaft beziehen. Zum familiären Kreis gehören Beziehungen zwischen Familienmitgliedern und ihren Lebensgefährten. Zum Bereich der Gleichaltrigen (Peers) zählen intermediäre Beziehungen zwischen Nachbarn, Mitschülern und Arbeitskollegen. Der gesellschaftliche Bereich kommt durch ferne Beziehungen zwischen Person und einer größeren sozialen Gruppe oder Institution zum Ausdruck. Das ESTCOL-Konzept wird als ein hierarchisches Konzept mit mehren untergeordneten Komponenten verstanden.*36 Das hierarchische Schema schließt die absolute Unabhängigkeit unterschiedlicher Subdimensionen des Kollektivismus aus. Diese Dreidimensionalität unterstellt, dass kollektivistische Einstellungen bei Individuen unterschiedlich stark ausgeprägt werden können, je nachdem um Beziehungen in welcher sozialen Gruppe (Familie, Peers oder Gesellschaft) es sich handelt. Dies gilt sowohl für Individuen als auch für größere soziale Einheiten bis auf die Gesellschaften.

4. Soziologische Wertestudien

4.1. Individualismus – Kollektivismus

In vielen Studien werden neben Individualismus andere Dimensionen, wie Leistungs- und Konkurrenzdenken oder Streben nach Erfolg, untersucht. Green, Deschamps & Páez*37 stellten in einer Studie zu Individualismus und Kollektivismus fest, dass Konkurrenzdenken kein eindeutig typisches Merkmal einer individualistischen Gesellschaft ist. Die Autoren zeigen anhand der Daten aus 20 Ländern, dass das Konkurrenzdenken sowohl bei ausgeprägtem Individualismus als auch bei Kollektivismus vorhanden ist. Dabei gab es das sog. selbstsichere Konkurrenzdenken häufiger in ganz armen Ländern und den sog. gruppenabhängigen Konkurrenzdenken in weniger wohlhabenden Ländern des Lateinamerikas. Die Dominanz der konkurrierenden Idee in an sich kollektivistischen Ländern wird so interpretiert, dass Konkurrenzdenken nicht ausschließlich durch Individuen sondern auch durch größere Gesellschaften motiviert werden mag.*38 Weitere Studien*39 könnten keinen signifikanten Zusammenhang zwischen Individualismus und Konkurrenzdenken nachweisen. Individualismus und Kollektivismus wurden hier nach dem Konzept von Triandis*40 als horizontale und vertikale Typen gemessen: Der horizontale Aspekt betont die Gleichheit der Teilnehmer einer Gruppe, während der vertikale Aspekt die Hierarchie und Konkurrenz hervorhebt.

4.2. Komplexere Modelle

In einer früheren Studie von Hagan u. a.*41 wurden in vier ost- und westdeutschen Städten knapp 2000 Jugendliche im Alter von 13-16 Jahren (7. bis 10. Jahrgangsstufe) an Schulen befragt. Anschließend wurden in einem Modell zur Erklärung von Gruppendelinquenz u. a. Effekte des hierarchischen Selbstinteresse, der anomischen Amoralität und des Ethnozentrismus untersucht. Das latente Konstrukt „Hierarchisches Selbstinteresse“ wurde über Dimensionen „Konkurrenzdenken“ (competitiveness), „Leistungsorientierung“ (success orientation) und „Individualismus“ (individualism) erfasst.

Das Konzept des hierarchischen Selbstinteresses (HSI) wurde von Hagan u. a.*42 als Erweiterung seiner Power-Control Theory of Gender and Delinquency entwickelt.*43 „Prinzipien des hierarchischen Selbstinteresses beschreiben eine hierarchische Weltsicht, denn Ziel des Wettbewerbs ist es, eine höhere Position innerhalb einer expliziten oder impliziten (Markt-)Hierarchie zu erlangen“.*44 Das Konstrukt des HSI beinhaltet Ideologien der Marktgesellschaften, die Dominanz und Ellenbogenmentalität erfordern.

Die HSI-Skala wurde ursprünglich als ein dreidimensionales Konstrukt entwickelt und in späteren Studien mit einer vierten Dimension „Machiavellismus“*45 ergänzt.

Das Hierarchische Selbstinteresse lässt sich nicht eindeutig in soziologische Wertkonzepte einordnen. „Eine Kategorisierung der HSI-Wertorientierungen nach der Unterscheidung in terminelle und instrumentelle Werte nach Rokeach*46 ist wenig sinnvoll, da die Dimensionen des HSI sowohl auf instrumentelle Mittel verweisen, als auch Werte i.S. von Zielen in sich darstellen. Im Sinne der Schwartzschen Wertetheorie ist das Hierarchische Selbstinteresse der Dimension der Selbststärkung zuzuordnen, zu der Macht- und Leistungswerte gehören (Schwartz, 1992)“.*47 Im Vergleich zum Konzept der Wertesynthese von Klages*48 bezieht sich das HSI-Konzept nur auf die individuelle Ebene und hat keinen Bezug auf die Gesellschaft.

Dimension „Individualismus“ des latenten Konstrukts hierarchisches Selbstinteresse bestand in allen vorliegenden Studien*49 aus drei Items der Individualismus-Kollektivismus-Skala von Hui und Triandis*50 und geht auf das Individualismus-Kollektivismus-Konzept von Hofstede*51 zurück. Der Individualismus wird hier als Streben von Individuen nach Unabhängigkeit von Gruppen, Orientierung auf Selbstbestimmung, eigene Bedürfnisse und Ressourcen sowie Durchsetzung individueller Interessen verstanden. Die anomische Amoralität ist in modernen Marktgesellschaften ein weiterer Wert, eine logische Nebenerscheinung der tiefen Tradition des hierarchischen Selbstinteresses. Die Marktgesellschaften setzen in dieser Hierarchie das Ziel des materiellen Erfolgs über dem Rechtsstaat und freie Neudefinitionen des Rechts werden gewürdigt.*52

5. Werteforschung in der Kriminologie

Die soziologische Werteforschung hat sich in erster Linie mit dem Wertediskurs befasst. Für die kriminologische Forschung ist die Frage nach Erklärungspotential der Werte für menschliches Handeln, näher für individuelles delinquentes Verhalten, von besonderer Bedeutung.

Die empirische Überprüfung der anomietheoretischen Annahmen Durkheims hat sich praktisch nur auf eine pathologische Entwicklungsform der Gesellschaft – die Unterregulation (oder Anomie) – beschränkt. Eine Prüfung der „klassischen“ Anomietheorie in den 1960er Jahren erfolgte durch McClosky und Schaar*53 mit einer Neun-Items-Batterie. Die Durkheimsche Theorie der sozialen Ordnung wurde u. a. durch Operationalisierung von Anomie und als Spezialfall von schulischer Anomie getestet.*54

5.1. Institutionelle Anomietheorie

Im Zuge der neuesten gesellschaftlichen Entwicklungen mit einer immer stärker ausgeprägten Dominanz des ökonomischen Sektors über allen anderen sozialen Bereichen, einer wachsenden Individualisierung und sinkender Moral scheint ein moderner anomietheoretischer Ansatz von Messner und Rosenfeld*55 eine gute Erklärung des delinquenten Verhaltens liefern zu können. Die Institutionelle Anomietheorie (IAT) geht davon aus, dass die Balance gesellschaftlicher Institutionen entscheidend für das Ausmaß und die Art der Kriminalitätsbelastung einer Gesellschaft ist.*56 Kapitalistische Marktwirtschaften, in welchen Ökonomie alle anderen Institutionen dominiert, haben eine starke anomische Tendenz, die zu einer allgemeinen Schwächung der regulierenden Kraft der grundlegenden Werte und Normen führt.*57

Die IAT setzt in der Situation einer institutionellen Imbalance zugunsten der Ökonomie gegenüber der nicht-ökonomischen Institutionen, wie Kultur, Bildung und Familie, eine höhere Wahrscheinlichkeit voraus, dass die moralische Beurteilung des menschlichen Verhaltens bei Individuen nachlässt. In seinem Hintergrund stehen spezifische Wertorientierungen: Ungezügelte Bestrebungen nach Profit treffen in der Gesellschaft auf positive Bewertungen.

Sozialstrukturelle Merkmale schlagen sich auf der Ebene individueller Einstellungen sowie in Wert- und Normorientierungen nieder, die im Falle einer institutionellen Imbalance zu einer erhöhten Bereitschaft von strafrechtlich relevantem Verhalten beitragen. Die IAT erlaubt es – je nach Art der Imbalance der gesellschaftlichen Institutionen – Vorhersagen nicht nur zum Umfang, sondern auch zur Struktur der Kriminalität zu machen.

Eine Dominanz der Ökonomie mit herrschenden Wettbewerbsorientierungen und Streben nach Profit sollte zu einem häufigeren Auftreten von bestimmten normabweichenden Verhaltensformen, wie Eigentums- und Profit motivierte Gewaltdelikte, beitragen. Dieser Zusammenhang wird durch individualistische Wertorientierungen in ihrer unmoralischen Form vermittelt. Dominieren in der Gesellschaft zivile Institutionen, wie Familie oder Religion, ist mit einer starken informellen sozialen Kontrolle, unmäßiger Moralität sowie einer Unduldsamkeit gegenüber Fremden und Abweichenden zu rechnen. Solche Gesellschaft würde man als eine kollektivistische Gesellschaft bezeichnen, für die höhere Raten von Tötungsdelikten, aber auch Hasskriminalität und eine stark ausgeprägte Selbstjustiz typisch sind. In einer solchen Gesellschaft sollten traditionelle wie auch regressive kollektivistische Wertorientierungen stärker ausgeprägt sein.

5.2. Überprüfung der IAT

Aus einer Vielzahl von empirischen Studien zu IAT*58 werden im Weiteren beispielhaft die Ergebnisse einer Studie von Karstedt und Farrel*59 beschrieben. Diese Studie wurde im Jahr 2002 anhand vom selbstentwickelten Messinstrument und mit Hilfe großer Umfrageinstitute in West- und Ostdeutschland sowie in England und Wales durchgeführt. Drei Strukturgleichungsmodelle untersuchten institutionelle Anomie und ihren Einfluss auf Intentionen zum Begehen krimineller Handlungen, sowie Effekte von Wahrnehmung von ökonomischen Veränderungen (perceptions of economic change), unbeschränktes Gewinnstreben (unrestrained profit motives), Legitimität des Marktes (legitimacy of markets), Selbstinteresse (self-interestedness) und Werte des Gemeinwohls (commonwealth values).

Der Einflusseffekt vom Selbstinteresse war am größten von allen erklärenden Variablen in allen drei Ländern. Die Selbstinteresse-Items stammen aus zwei Skalen – aus der Egoismus-Skala von Weigel et al.*60 und Machiavellismus-Skala des Konstrukts des hierarchischen Selbstinteresses von Hagan et al.*61. Die Analyse erfolgte auf der Individualebene. Die untersuchten Modelle zeigten im Allgemeinen: (1) die Befragten mit höherem Selbstinteresse sind eher misstrauisch gegenüber den Groß- und Kleinbetrieben; (2) sie haben mehr Angst in den wirtschaftlichen Beziehungen viktimisiert zu werden; (3) sie haben eher zynische Einstellungen gegenüber den Regeln. Die Werte des Gemeinwohls, die soziale Solidarität und die Gemeinsamkeit sind grundlegende Aspekte für die „Marktbürgerschaft“ und hemmen die Anomie des Marktes. In beiden bewiesenen Marktwirtschaften – England und Wales und Westdeutschland – mit alten funktionierenden demokratischen Systemen, zählen bürgerschaftliche Werte, trotz Egoismus und ungezögertem Streben nach Profit.

5.3. Theoretische Überlegungen der empirischen Werteerfassung

Die gesellschaftliche Formation ist kein stabiles Merkmal. Angenommen, dass sich seit der Neuzeit alle Gesellschaften in einem ständigen Individualisierungsprozess befinden, sollten sich innerhalb einer Gesellschaft individualistische wie auch kollektivistische Merkmale finden. Der Unterschied zwischen Gesellschaften sollte dann lediglich an dem Grad liegen, wie stark die einen oder anderen Merkmale ausgeprägt sind.

Ausgehend von der Durkheimschen Analyse-Idee in der Interpretation von Thome*62 bilden Dimensionen der Integration und der Regulation einen strukturellen Raum zum Verstehen von individualistischen bzw. kollektivistischen Merkmalen der sozialen Systeme. Das Durkheimsche Analyse-Schema bildet somit zwei orthogonal aufeinander stehende Achsen: Der „gesunde“ Individualisierungsprozess wird durch Integration und Übergang vom traditionellen Kollektivismus zum moralischen Individualismus geprägt. Die drei pathologischen Entwicklungsformen werden vom Kollektivbewusstsein (geteilten Werten) beeinflusst und werden als regressiver Kollektivismus (Überregulation), egoistischer Individualismus und Anomie (Unterregulation) bezeichnet.

Da die gesellschaftliche Entwicklung zum einen ein ständiger Prozess ist und zum anderen gleichzeitig Ausprägungen unterschiedlicher pathologischen Formen aufweisen kann, kann dieses Analyse-Schema in solcher Form nur bedingt benutzt werden. Angelehnt an dieses Schema kann ein Werte-Modell zur Erklärung delinquenten Verhaltens im Sinne der Institutionellen Anomietheorie entwickelt werden.

Davon ausgehend, dass kollektivistische und individualistische Wertorientierungen keine Gegenpole innerhalb einer Gesellschaft darstellen, sollten sie separat erfasst werden. Ihre Ausprägungen sollten von gar nicht kollektivistisch bzw. individualistisch bis sehr kollektivistisch bzw. individualistisch reichen. Denkt man schematisch, kann die individualistische Haltung durch eine Mehrzahl von autonomen Individuen dargestellt werden. Diese verhalten sich nach ihren eigenen Prinzipien, nutzen ihre eigenen Ressourcen, glauben, dass Erfolg nur in ihrer eigenen Hand liegt und sind souverän und tolerant gegenüber Meinungen anderer. Die Bindungen an soziale Gruppen sind bei Individualisten schwach, und einzelne Meinungen sind wichtiger als die Meinung der Gruppe.

Eine kollektivistische Haltung kann als die Mehrzahl bedeutsamer ein- oder beidseitig abhängigen Beziehungen dargestellt werden. Diese basieren auf Tradition und beziehen sich nicht zuletzt auf Familie, wie auch auf Gemeinschaft und Nation. Bei den Kollektivisten besteht ein Bedürfnis nach Autoritäten und klarer Hierarchie. Die Wichtigkeit der Zugehörigkeit zu sozialen Gruppen zeigt sich durch das Entstehen stabiler sozialer Netzwerke, bis auf Vetternwirtschaft und ausgeprägte Fremdenfeindlichkeit und Nationalismus.

Innerhalb der Dimensionen „Individualismus“ und „Kollektivismus“ wird zuerst einmal nicht nach dem moralischen und dem egoistischen Individualismus bzw. dem traditionellen und dem regressiven Kollektivismus unterschieden. Um diese Unterscheidung trotz alledem zu ermöglichen, werden weitere Dimension erfasst, nämlich „Moral“ und „Fremdenfeindlichkeit“. Die Moral beinhaltet zwei Aspekte: Zum einen sind das die Bewertungen der Richtigkeit einzelner Handlungen, die von moralischen Prinzipien, wie Gerechtigkeit und Fairness, gesteuert werden. Zum anderen sind das die positiven Einstellungen gegenüber dem sozialverantwortlichen Verhalten. Diese moralischen Einstellungen sind im Gegensatz zu einigen gängigen Konzepten*63 nicht Merkmale der menschlichen Entwicklungsphasen. Somit werden sie nicht aus einer entwicklungspsychologischen Perspektive betrachtet, sondern sind die Ergebnisse gesellschaftlicher sozialer Prozesse. Die Fremdenfeindlichkeit besteht aus Einstellungen zu Ausländern bzw. zur Stellung des Volkes, zu dem man gehört.

Sollte auf der Aggregatebene bei überdurchschnittlich hohem Individualismus die Moral hohe Ausprägungen haben, sollte es sich in der Gesellschaft um den moralischen Individualismus handeln. Sollte stattdessen die Moral nur gering ausgeprägt sein, würde man vom egoistischen Individualismus sprechen. Wird die Fremdenfeindlichkeit bei überdurchschnittlich hohem Kollektivismus hoch ausgeprägt, spricht man vom regressiven Kollektivismus. Bei niedriger Fremdenfeindlichkeit geht es um den traditionellen Kollektivismus. Auf diese Art und Weise können vier Wertedimensionen erfasst werden.

In einem Modell zur Erklärung der Delinquenz, in dem die Annahmen der IAT getestet werden, haben die Werte eine vermittelnde Funktion. In einer etwas vereinfachten Interpretation der IAT sollten Gesellschaften entweder Dominanz der Ökonomie oder der zivilen (nichtökonomischen) Institutionen aufweisen. Eine institutionelle Balance wäre theoretisch auch möglich.

6. Zusammenfassung

Die allgemeine Entwicklung der Werteforschung beinhaltet einen Übergang von einem streng hierarchischen zu einem mehrdimensionalen Modell. Diese Tendenz soll in der künftigen Werteforschung berücksichtigt werden. Die Werte sind von anderen Elementen des sozialen Systems, wie soziale Normen und Einstellungen, zu unterscheiden, aber wie auch von Zielen, Ideologien, Motiven und Bedürfnissen. Die Wichtigkeit der Abgrenzung der o.g. Begriffe wird besonders deutlich, wenn es um die Operationalisierung dieser Konstrukte geht. Bei der Operationalisierung der Ziele sollte es sich um das Gewünschte handeln, z.B. „Ich will etw. erreichen“ oder Ich will etw. haben“. Bei den Einstellungen geht es um die Beurteilung des Geschehens, z.B. „Es ist gut, wenn …“. Bei den Werten dagegen geht es um die Wichtigkeit des Geschehens, z.B. „Mir ist wichtig, dass …“.

Die Wichtigkeit der Werteinstellungen für delinquentes Verhalten wurde bereits festgestellt.*64 Es bedarf weiterer Studien, die nicht nur den Zusammenhang von sozialen Werten und Kriminalität aufgreifen, sondern auch theorie-basierte Annahmen prüfen. Es gibt eine Reihe kriminologischer Ansätze, die Kriminalität durch soziale Werte und Normen erklären. Dazu gehört die Institutionelle Anomietheorie*65, die ein hohes Erklärungspotenzial hat. Während die meisten theoretischen Ansätze entweder auf der Mikro- oder auf der Makroebene der Gesellschaft angesiedelt sind, gilt die IAT auf beiden Ebenen und verbindet die institutionelle Kraft mit dem individuellen Verhalten.

 

Anmerkungen:

*1 Durkheim, E. (1992). Über soziale Arbeitsteilung: Studie über die Organisation höherer Gesellschaften. Frankfurt a/M.: Suhrkamp.
*2 Weber, M. (1976). Wirtschaft und Gesellschaft: Grundriß der verstehenden Soziologie. Tübingen: Mohr, S. 527 ff.
*3 Weber, M. (2006). Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus. München: Beck.
*4 z.B. Klages, H., & Kmieciak, P. (Hrsg.) (1979). Wertewandel und gesellschaftlicher Wandel. Frankfurt a. Main, New York: Campus-Verlag, S. 14.
*5 Vgl. Thome, H. (2003). Soziologische Wertforschung: Ein von Niklas Luhman inspirierter Vorschlag für die engere Verknüpfung von Theorie und Empirie. Zeitschrift für Soziologie, 32(1), 4-28.
*6 Thomas, W. I., & Znaniecki, F. (1927). The Polish peasant in Europe and America. New York: Alfred A. Knopf.
*7 Thomas, W. I., & Znaniecki, F. (1927). The Polish peasant in Europe and America. New York: Alfred A. Knopf, p. 22.
*8 Hermann, D. (2003). Werte und Kriminalität. Konzeption einer allgemeinen Kriminalitätstheorie. Wiesbaden: Westdeutscher Verlag. – DOI: https://doi.org/10.1007/978-3-663-11837-4.
*9 Kluckhohn, C. (1951). Values and value-orientations in the theory of action. In: Talcott Parsons & Edward A. Shils, Toward a general theory of action (S. 388-433). Cambrige: Harvard University Press, p. 395. – DOI: https://doi.org/10.4159/harvard.9780674863507.c8.
*10 Vgl. Rokeach, M. (1973). The nature of human values. New York: The Free Press, p. 19.
*11 Vgl. z.B. Klages, H. (1992). Die gegenwärtige Situation der Wert- und Wertwandelforschung – Probleme und Perspektiven. In Helmut Klages, Hans-Jürgen Hippler & Willi Herbert (Hrsg.), Werte und Wandel. Ergebnisse und Methoden einer Forschungstradition (S. 5-39). Frankfurt, New York: Campus Verlag, S. 32.
*12 Popitz, H. (1980). Die normative Konstruktion von Gesellschaft. Tübingen: J.C.B. Mohr, p. 21.
*13 Kluckhohn, C. (1951). Values and value-orientations in the theory of action. In: Talcott Parsons & Edward A. Shils, Toward a general theory of action (S. 388-433). Cambrige: Harvard University Press. – DOI: https://doi.org/10.4159/harvard.9780674863507.c8.
*14 Böckler, M., Herbert, W., Hippler, H.-J., & Kluck, M. (1991). Wertwandel und Werteforschung in den 80er Jahren. Forschungs- und Literaturdokumentation. Bonn: Informationszentrum Sozialwissenschaften.
*15 Hagan, J., Hefler, G., Classen, G., Boehnke, K., & Merkens, H. (1998). Subterranean sources of subcultural delinquency beyond the American Dream. Criminology, 36(2), 309-341. – DOI: https://doi.org/10.1111/j.1745-9125.1998.tb01250.x.
*16 Böckler, M., Herbert, W., Hippler, H.-J., & Kluck, M. (1991). Wertwandel und Werteforschung in den 80er Jahren. Forschungs- und Literaturdokumentation. Bonn: Informationszentrum Sozialwissenschaften.
*17 Zu den weiteren Kritikpunkten sehe z.B. Klages, H., & Kmieciak, P. (Hrsg.) (1979). Wertewandel und gesellschaftlicher Wandel. Frankfurt a. Main, New York: Campus-Verlag, S. 16-17.
*18 Rokeach, M. (1973). The nature of human values. New York: The Free Press.
*19 Inglehart, R. (1979). Wertwandel in den westlichen Gesellschaften: Politische Konsequenzen von materialistischen und postmaterialistischen Prioritäten, S. 279-316. In Helmut Klages & Peter Kmieciak (Hrsg.). Wertewandel und gesellschaftlicher Wandel. Frankfurt a. Main, New York: Campus-Verlag.
*20 Daten über Werteinstellungen wurden seit 1981 im World Value Survey (http://www.worldvaluessurvey.org) in mehreren Ländern erhoben.
*21 Inglehart, R. (1979). Wertwandel in den westlichen Gesellschaften: Politische Konsequenzen von materialistischen und postmaterialistischen Prioritäten, S. 279-316. In Helmut Klages & Peter Kmieciak (Hrsg.). Wertewandel und gesellschaftlicher Wandel. Frankfurt a. Main, New York: Campus-Verlag.
*22 Maslow, A. (1981). Motivation und Persönlichkeit. Reinbek b. Hamburg: Rowohlt Taschenbuch Verlag.
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*65 Siegmunt, O. & Wetzels, P. (2015). Institutional Anomie Theory - Empirical Testing [Instituzionalnajy teorija anomii – empirizeskaja proverka]. Sociological Studies 42(4), 78-87 (ISSN 0132-1625); Enzmannn, D., Kammigan, I., Siegmunt, O. & Wetzels, P. (2016). Was scheren mich die anderen? Marktmoral als kriminogener Faktor: Eine Studie zu Jugendkriminalität in Russland und Deutschland. Wissenschaftlicher Verlag Berlin: Berlin.



pp. 22-31 [PDF]


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